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Mr. American Beauty zu Gast in Berlin
Der zweifache Oscar-Preisträger Kevin Spacey gab der BZ ein Exklusiv-Interview
Endlich lässt sich jetzt auch ein männlicher Superstar aus Hollywood auf der Berlinale blicken. Schon am Sonnabend kam Kevin Spacey, 42, aus dem sonnigen Kalifornien in die verregnete Hauptstadt. Aber raues Wetters ist er gewohnt, wie sein neuer Film "Schiffsmeldungen" beweist. Die Dreharbeiten fanden im stürmischen Neufundland statt.
Der Star aus "Sieben", "Die üblichen Verdächtigen" und "American Beauty" hat in Berlin doppelten Grund zum Feiern. Auf dem Festival stellte er auch den von ihm produzierten Doku-Film "Uncle Frank" über einen alten Mann vor. Markus Tschiedert traf Kevin Spacey zum Exklusiv-Interview im Hotel Four Seasons.
Im Roman "Schiffsmeldungen" wird Quoyle als Mann beschrieben, der ein entstelltes Gesicht hat. Warum erleben wir Sie nicht mit Maske?
Darüber habe ich mit Regisseur Lasse Hallström lange diskutiert. Aber es ist oft unmöglich, einen Schauspieler zu finden, der einer Romanfigur vom Aussehen her ähnelt. Im Buch wiegt Quoyle 150 Kilo, hat ziemlich haarige Arme und ein entstelltes Kinn. Wir befürchteten, dass der Zuschauer nur noch aufs Kinn achten würde, wenn man mich dementsprechend verwandelt hätte.
Also mussten Sie die Rolle anders angehen?
Ich stand vor der Herausforderung, die Gefühle darzustellen, die Annie Proulx in ihrem Roman beschreibt. Das Problem war nur, dass Quoyle seine Gefühle nicht nach außen trägt. Also musste ich versuchen, mit Bewegungen und Sprache seine innere Verletztheit irgendwie darzustellen.
Konnten Sie sich mit Quoyle identifizieren?
Bevor ich ans Theater ging, hatte ich mehr von Quoyle, als man sich heute vielleicht vorstellen kann. Unsere Welt ist voll mit Menschen, die still vor sich hin leben, sich nicht beschweren und versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. In einer solchen Situation weiß man nicht, ob man einen Platz auf dieser Erde hat, und dieses Gefühl kenne ich nur zu gut.
Hat Ihnen die Schauspielerei dabei geholfen, Ihren Weg zu finden?
Ich habe zwar schon viele Figuren gespielt, die vor Selbstbewusstsein strotzen, aber ich selbst hatte es nicht immer. Mit der Schauspielerei habe ich das gefunden, was ich wirklich machen will.
Dass man sein Leben nur selbst ändern kann, war bereits Thema in "American Beauty"?
Trotzdem sehe ich Unterschiede. Mein Lester aus "Amercan Beauty" weiß genau, was er will, und er stößt alles um, was ihm im Weg steht. Er ist aggressiv, während Quolye nur fähig ist, zu reagieren. Insofern unterscheidet sich diese Rolle von allem, was ich bisher fürs Kino gespielt habe.
In "Die üblichen Verdächtigen" und "Sieben" spielten Sie noch Schurken. Hatten Sie damals die Befürchtung, auf diesen Typ festgelegt zu werden?
Das waren Rollen, die mir viel Spaß machten. Danach versuchte ich, nicht in diese Schublade zu geraten. Nach "Sieben" hätte man nie geglaubt, dass ich eine so gefühlvolle Rolle wie in in "American Beauty" spielen könnte. Aber ich wollte es unbedingt beweisen, und das ging nur mit einem Regisseur wie Sam Mendes, der verlangte, ich will Kevin Spacey für "American Beauty".
Warum haben Sie jetzt einen Doku-Film über alte Menschen produziert?
Weil ich finde, dass die Alten zu wenig Aufmerksamkeit und Respekt in unserer Gesellschaft bekommen. Ich weiß noch, wie ich als kleiner Junge ein Altersheim besuchte, in dem alle aufgenommen werden, die jemals etwas mit Film zu tun hatten, egal ob Schauspieler oder Beleuchter. Das hat mich sehr beeindruckt, und noch heute besuche ich das Heim jedes Jahr zu Weihnachten, um Lieder vorzusingen.
Als Sie für "American Beauty" den Oscar bekamen, bedankten Sie sich vor allem bei Jack Lemmon, der letztes Jahr leider viel zu früh starb. Welche Beziehung hatten Sie zu ihm?
Für mich war er einer der besten Schauspieler, die es gab. aber für mich zählt auch, dass er einer der freundlichsten und charmantesten Menschen war, die Hollywood hervorgebracht hat. Wenn dir Jack sein Wort gegeben hat, hielt er es auch. Er sagte mir, wenn man im Filmgeschäft oben angekommen ist und das Glück hat, dort zu bleiben, stände man in der Verantwortung, den Fahrstuhl wieder nach unten zu schicken. Das tat er für mich, und deshalb war er für mich wie ein Vater.
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