Ein Mann

Hollywood-Stars haben eigentlich nur ein Thema: sich selbst. Doch ausgerechnet der derzeit „meistgesuchte Mann der Leinwand“ (Interview) ist auf Personenkult überhaupt nicht scharf. Pech für Kevin Spacey, 40. Denn sobald sein neuer Film „American Beauty“ in die Kinos kommt, wird er sich vor hysterischen Fans nicht retten können. In der makabren Komödie von Sam Mendes spielt Spacey einen Vorstadt-Schwächung, der sich innerhalb von zwei Kinostunden in den Helden seiner eigenen Teenie-Träume verwandelt (siehe Filmkritik Seite 126). Und das macht Spacey — mit Geheimratsecken und Micky-Maus-Grinsen übrigens eher Charakterkopf als Californian Dreamboy so oberklasse, dass die sonst mit Lob sparsame „Times“ ihn in dieser Rolle „schlichtweg begnadet“ findet. Harte Zeiten für einen, der in Filmkreisen nur der „Mystery Man“ genannt wird.

 

Seit er vor drei Jahren in „Die üblichen Verdächtigen“ die geniale Doppelrolle eines verkrüppelten Tölpels und Megabösewichts spielte und dafür einen Oscar einsteckte, haftet dem New Yorker das Image an, selbst so kryptisch wie charismatisch zu sein. Immerhin hat es Spacey geschafft, dass sein Privatleben bei allem Wirbel immer noch ein großes Fragezeichen ist. Dass er mit zwölf das Baumhaus seiner Schwester anzündete, deshalb auf eine Militärschule geschickt wurde, wo er wegen Prügeleien fix wieder rausflog, ist allerdings durchgesickert. „ich war ein Horrorkind“, ist Spaceys einziger Beitrag zu seiner Biografie. Der Rest liegt im Dunkeln.

 

Und da wird er wahrscheinlich auch bleiben. Denn Spacey amüsiert sich nach eigenem Bekunden köstlich, wenn die Filmwelt darüber brütet, ob er sein doch sicher irgendwo vorhandenes Bett nun lieber mit Männern oder Frauen teilt. Spuren zu verwischen ist eben seine Lieblingsbeschäftigung. Das hat er bereits als Massenmörder in „Sieben“ und zwielichtiger Detektiv in „L.A. Confidential“ bewiesen. Weil sich danach unter ihm die Schublade des ewigen Fieslings aufzutun drohte, habe er sich jetzt mit „American Beauty“ völlig unerwartet ins Waschlappen-Ressort abgesetzt, spekulieren Insider. Wenigstens wird es keine Überraschung sein, wenn er dafür demnächst wieder einen Oscar bekommt.

 

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