Kevin Spacey: "In meinem Herzen bin ich Sänger und Tänzer" (von Alexander Soyez)

Die WELT: Was hat Sie an der Geschichte Darins interessiert?

Kevin Spacey: In meiner Jugend war Bobby Darin für mich der Größte. Ich hörte seine Platten rauf und runter und erfuhr erst später von seinem bewegten Leben. Als er sieben Jahre alt war, prognostizierten die Ärzte bei ihm Gelenkrheumatismus und einen Herzfehler, meinten, er würde nicht älter als 15 werden. Doch Bobby hatte Lebensmut und wollte unbedingt ein Star werden. Diese Kraft, dieser Mut und die Leiden, die er hatte, sind mir sehr nahe gegangen.

Die welt: Und warum klingelt nicht bei jedem sofort etwas, wenn man den Namen Bobby Darin hört?

Spacey: Das ist sein Schicksal gewesen. Songs wie "Beyond the Sea" oder "Splish, Splash" kennt jeder, aber Bobby Darin eben nicht. Beim Swing-Revival der letzten Jahre hat Robbie Williams Sinatra gesungen und die Songs von Bobby Darin. Wobei viele sicher dachen "Beyond the Sea" ist ja ein wunderbarer Sinatra-Song. Bobby selbst ist im Grunde der Vergessene geblieben, obwohl er meiner Ansicht nach einer der größten Entertainer aller Zeiten war.

Die welt: Hat man sich in Hollywood dafür interessiert?

Spacey: Nicht im Geringsten. Als ich vor drei Jahren die Verfilmungsrechte erwarb und die Finanzierung sicherstellen wollte, schlug mir jeder Produzent die Tür vor die Nase. Ein Film über einen Sänger, dessen Stern schon vor vielen Jahren gesunken ist, war zu riskant. Also hörte ich mich in Europa um und traf den englischen Produzenten Andy Paterson und den deutschen Produzenten Jan Fantl, die beide sofort Feuer und Flamme waren.

Die Welt: Gehörten die Dreharbeiten in Berlin und Babelsberg zum Geschäft?

Spacey: Das hatte auch mit der Finanzierung zu tun, andererseits aber auch mit der Tatsache, daß es in den Studiohallen in Babelsberg möglich war, die aufwendigen Kulissen für das Amerika der fünfziger und sechziger Jahre nachzubauen. Italien im Schloßpark Sanssouci, New Yorker Straßen in Babelsberg...

Die welt: Sie haben in diesem Fall den Gesang selber übernommen und die Songs neu arrangiert. Woher das Selbstvertrauen?

Spacey: Ich singe das erste Mal professionell, aber eben nicht das erste Mal. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend viel gesungen. Von 13 bis 22 habe ich ausschließlich Musicals gemacht - von "West Side Story" über "Gipsy" bis "Sound of Music". Außerdem habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder auf Benefizveranstaltungen gesungen. Meistens nur einen Song und meistens keine Musik von Bobby Darin. Ehrlich gesagt - auch wenn man mich sicher eher als Schauspieler kennt - in meinen Herzen bin ich Sänger und Tänzer.

Interview: Alexander Soyez

Artikel erschienen am Mo, 14. Februar 2005

 

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