Hohe Stirn, ein Häuflein Haare oben drauf, nicht groß und muskulös, keine stechend blauen Augen oder strahlend weißen Zähne. Eher durchschnittlich, unauffällig, geleckt. Und trotzdem sind Frauen der Ohnmacht nahe: "Waaas? Kevin Spacey ist in der Stadt?" Die Nachricht verbreitete sich in Berlin binnen Stunden - da war der umschwärmte Hollywoodstar aber schon seit ca. vier Wochen da. "Völlig unentdeckt? Das kann nicht sein", zweifelten vermeintlich treue Fans ihre Fähigkeiten an. Aber es stimmt: Seit Anfang November dreht er seinen neuen Film "Beyond the sea" in Potsdam und Berlin. Gleicher Titel wie Robbies aktuelle Single aus dem Zeichentrickfilm "Findet Nemo" - das ist kein Zufall. Der Film berichtet nämlich über das Leben der Swinglegende Bobby Darin, der mit "Beyond the sea" einen seiner ganz großen Erfolge landete.

Eins Live: Herr Spacey, viele Ihrer Fans sind entsetzt, dass Sie schon solange unbemerkt in Berlin sind. Sind Sie es wirklich, ist es nur Ihr Double? Oder haben Sie sich die ganze Zeit in Ihrem Hotelzimmer verbarrikadiert?

Spacey: Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe den Film wochenlang vorbereitet, Drehorte besichtigt, und in der Zeit bin ich viel unterwegs gewesen. Ich mag Berlin, kenne die Stadt gut, weil ich schon oft auf den Filmfestspielen war, aber ich habe wieder viele wirklich nette neue Restaurants kennengelernt. Und die Berliner sind erstaunlich freundlich. Während der Dreharbeiten haben wir allerdings lange Arbeitstage, da bleibt nicht viel Zeit wegzugehen.

Eins Live: Aber die netten Berliner sind nicht der Grund, warum Sie den Film ausgerechnet in Berlin und Potsdam drehen.

Spacey: Nein, um ehrlich zu sein: "Beyond the sea" ist zum einen eine Biographie von Bobby Darin, Musiker, Komponist, Schauspieler, Swinglegende aus den 50er Jahren. Zum anderen ist es ein Musik- und Tanzfilm. Und Filme dieser Art haben es schwer in den Vereinigten Staaten. Hier in Deutschland haben wir finanzielle Unterstützung durch Fonds und Stiftungen bekommen, und trotzdem habe ich mich am Anfang gefragt: Kann ich den Film, der in der Bronx, in Las Vegas, New York, Beverly Hills, Italien oder Malibu spielt, ausgerechnet in Deutschland machen?

Eins Live: Und?

Spacey: Es geht! Und das ist jetzt wirklich erstaunlich: Die Studiobedingungen hier bieten eine Menge Möglichkeiten. Das Studio, das in Roman Polanskis Film "Der Pianist" zu sehen ist, ist bei mir die Bronx. Die Marlene Dietrich-Bühne ist gigantisch, fantastisch, hier spielen auch unsere New York-Szenen. Da haben wir ein paar Umbauarbeiten gemacht, die in der Nachbearbeitung mit Special Effects versehen werden. New York ist ohnehin von deutscher Architektur geprägt, also kann ich es auch hier machen. Und im Schloss Sanscousi in Potsdam ist unser Italien. Riesige Tanzszenen haben wir da gedreht. Ich weiß jetzt schon, dass die Zuschauer sagen werden: "Guck mal, da waren wir doch auch schon. Das ist doch Porto Fino".

Eins Live: Was haben Sie bei den wochenlangen Vorbereitungen getrieben?

Spacey: Wir haben rund um Berlin die unglaublichsten Locations gefunden. Ich weiß nicht genau wieso, aber als ich in Los Angeles an den gleichen langweiligen Orten war, an denen schon etliche andere gedreht haben, da mussten wir die letzten Jahrzehnte regelrecht runterschälen, um wieder bei dem Ambiente der fünfziger Jahre zu landen. Und wenn man hier durch die Tür von manchen Clubs geht, denkt man, direkt rein ins Jahr 1952 zu spazieren. Das ist mir sehr wichtig: Die Swingszenen in den 50er Jahren wirklich authentisch aussehen zu lassen.

Eins Live: Wie war es, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller gleichzeitig zu sein?

Spacey: Das ist wie ein Psychodrama: "Halt die Klappe", sagt Regisseur Kevin. "Lass ihn weiterreden!", denkt der Produzent Kevin. Und währenddessen schüttelt Schauspieler Kevin den Kopf (lacht) ...

Eins Live: Trotzdem haben Sie es gemacht!

Spacey: Ja, nicht weil ich der Beste bin, sondern weil ich keinen gefunden habe, der es sonst gemacht hätte.

"Stimmt nicht! Er ist der Beste", schaltet sich seine Filmfrau Kate Bosworth ein. Kevin Spacey senkt schüchtern den Blick, flüstert "Thank you", um dann langsam wieder hochzuschauen.

Eins Live: Das ist es, das ist es! Diese natürliche Bescheidenheit, die bei Frauen den "Komm-an-meinen-Busen-Trost-Instinkt' weckt, die macht den sonst so unscheinbar wie langweilig und spießig aussehenden Kevin Spacey zum absoluten Schwarm!
Spacey: Okay, vor allem hat es mir die Geschichte angetan. Nie zuvor ging mir etwas so sehr unter die Haut. Meine Eltern hatten eine beachtliche Plattensammlung, daher dachte ich schon als Kind, Bobby Darin ist der größte und coolste Sänger. Später erst habe ich erfahren, dass er mit sieben so sehr krank wurde, dass er nach Einschätzung der Ärzte nicht älter als 15 werden würde. Aber dieser eiserne Wille, dieser feste Glauben daran, ein Star zu werden, unglaublich. Er hat 160 Songs komponiert, fast 500 Platten aufgenommen, in 13 Filmen mitgespielt, und er ist 37 Jahre alt geworden. Heute covern etliche junge Künstler aus diesen Star-Schmiede-Sendungen seine Songs, ohne zu wissen, wer Bobby Darin ist.

Eins Live: Wie wichtig ist die Musik?

Spacey: Immens wichtig, Wir haben Kontakt mit den Angehörigen aufgenommen, um die Biografie möglichst realistisch wiederzugeben. Sie haben aber auch in den ganzen alten Unterlagen gesucht und haben die Originalnoten gefunden, die Bobby aufs Papier geschrieben hat. Und diese Melodien haben wir Note für Note nachgespielt und im Studio aufgenommen. Vier Jahre haben wir alleine an der Musik gearbeitet.

Eins Live: Waren Sie auch bei der Premierenparty von "Findet Nemo" in Berlin im U-Bahnhof Reichstag? Robbie Williams hat "Beyond the sea" live gesungen.

Spacey: Nein, da standen wir leider noch im Studio. Aber wir werden mal mit ihm auf Tour gehen. (John Goodman, im Film Bobbys Manager, lacht laut, dreckig und haut sich dabei auf den imposanten Oberschenkel). Ich halte ihn für sehr talentiert.

Eins Live: Wie lange bleiben Sie noch in Deuschland?

Spacey: Wir haben bis zum nächsten Frühjahr zu tun, fahren aber über Weihnachten nach Hause. William (zehn Jahre, spielt Bobby Darin als Kind, Anm. d. Red.) vermisst seine Haustiere und seine Familie, aber dann kommen wir wieder. Jetzt sind wir aber erst einmal bis kurz vor Weihnachten hier.

Eins Live: Werden es Single und Film gemeinsam schaffen, Bobby zum Star zu machen?

Spacey: Das war sein großer Wunsch, und das ist unser Plan! In diesem Sinne: Let's swing!

[News] [Biografie] [Photogallery] [Kevin Art] [Events] [Anekdoten] [Filme] [Theater] [Presse/Interviews] [Zitate] [Auszeichnungen] [Kevin im Fernsehen] [Links] [Quiz] [Games] [Guestbook]