Skip, das Kinomagazin (März 2003)

Kevin Spacey ist einer, der gerne nachdenkt. Was dabei rauskommt, erfuhr SKIP-Chefredakteur Kurt Zechner im Berlinale-Exlusiv-Interview anlässlich der Präsentation des Todesstrafen-Thrillers “Das Leben des David Gale”.

SKIP: In Das Leben des David Gale spielen Sie einen erbitterten Gegner der Todesstrafe. Für Europäer drängt sich zwangsläufig eine Frage auf: Wie stehen Sie selbst zu diesem Thema?

Kevin Spacey: Nun, ich habe diesen Film auf jeden Fall nicht gedreht. um eine politische Aussage zu treffen. Ich selbst will hier keine Position beziehen. Ich habe mich aber sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt. Es gibt viele Argumente gegen die Todesstrafe, die absolut überzeugend sind. Ich weiß auch, was eine Hinrichtung kostet: Alles in allem bis zu fünf Millionen Dollar! Es gibt weiß Gott produktivere Wege, solche Summen auszugeben. Andererseits ist noch nie jemand durch ein Verbrechen zu Tode gekommen, der mir nahe stand. Was kann ich also darüber wirklich wissen? Die Familien von getöteten Angehörigen haben auch einen ganz natürlichen Wunsch nach Sühne, vor allem bei besonders grausamen Verbrechen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Todesstrafe wird sehr emotional geführt. Jeder hat eine Meinung dazu. Die wenigsten haben sich allerdings die Mühe gemacht, sich ordentlich zu informieren. Vielleicht hilft unser Film mit, der Diskussion zu etwas mehr Tiefgang zu verhelfen.

SKIP: In Das Leben des David Gale gehen die Protagonisten in ihrem Engagement bis zum Letzten. Gibt es etwas, für das Sie sich so sehr engagieren würden?

Kevin Spacey: Nein. Im Moment nicht. Obwohl ich das Konzept wirklich faszinierend finde. Es gibt ja jede Menge Leute, die rein berufsbedingt bereit sind, sogar ihr Leben für etwas zu opfern: Feuerwehrleute etwa, oder Soldaten. Ich bewundere das, auch wenn ich es nicht ganz nachvollziehen kann. Für mich gibt es wie gesagt nichts, was mir dermaßen wichtig ist, dass ich dafür mein Leben opfern würde.

SKIP: Sie spielen oft schwierige, vom Leben gebeutelte Charaktere ...

Kevin Spacey: Wenn Sie damit meinen, Sie würden ein Muster in meiner Rollenwahl erkennen, dann ist das nur bedingt richtig. Es ist nicht so, dass ich meinen Agenten anrufe und sage: „Such mir mal einen Film mit menschlichen Wertkonflikten und einem tragischen Helden!“ Es gibt viele Dinge, die da mitspielen: Erstens kann ich nur die Filme machen, die mir angeboten werden. Dann muss ich Zeit haben. Gefallen sollte mir die Rolle natürlich auch. Viele Rollen spielte ich deshalb, weil ein anderer abgesagt hat: In Schiffsmeldungen hätte ursprünglich John Travolta die Hauptrolle spielen sollen, in K-Pax Will Smith — und David Gale wäre eigentlich George Clooneys Part gewesen. Mann, ich liebe diese Typen! Die sollen ruhig weiterhin diese tollen Rollen ablehnen (lacht).

SKIP: Vor kurzem haben Sie die Direktion des geschichtsträchtigen Londoner Old Vic Theatre übernommen, darüberhinaus betreiben Sie die Filmtalent-Börse Triggerstreet.com — haben Sie da überhaupt noch genug Zeit für Ihre Filmkarriere?

Kevin Spacey: Wissen Sie, wie viele Drehbücher ich in einem Jahr angeboten bekomme, die wirklich was wert sind? Meistens nicht mehr als eines. Zwei oder drei in einem guten Jahr. Und die Filme, die ich üblicherweise so mache, haben meist nicht mehr als zwei oder drei Dinge. Bei einem sind eben Gummibärchen und Popcorn dabei (lacht)

SKIP: Sie gelten als einer der nettesten Hollywood-Stars überhaupt haben kaum Allüren und sind auch noch zum hundertsten Autogrammjäger freundlich. Wie kommen Sie mit dem Star-Ruhm so gut zurecht?

Kevin Spacey: Sicher sind die Fans oft anstrengend, und manchmal benehmen sie sich daneben. Aber auch wenn mich zum x-ten Mal jemand um ein Autogramm bittet, habe ich keine Veranlassung, ihn anzuschnauzen. Für ihn ist es schließlich das erste Mal an diesem Tag. Ich wollte niemals eine Celebrity-Figur sein — auch wenn ich oft so bezeichnet werde. Celebrity ist kein Beruf. Ich bin Schauspieler. Warum wollen mir die Fans so nahe kommen? Warum wollen sie alles über mein Privatleben wissen. Ist es nicht genug, was ich als Schauspieler gebe? Manchmal lässt mich das an mir selbst zweifeln. Niemand kann einen darauf vorbereiten, was es bedeutet, ein Star zu sein. Ich versuche, damit umzugehen, so gut ich kann, und den Zirkus möglichst zu ignorieren. Trotzdem: der Star Kevin Spacey ist klarerweise jemand ganz anderer als die Person Kevin Spacey.

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