|
Geheimniskrämer (Quelle: TV Direkt April 2003)
Man nennt ihn den “Mystery Man”. Kevin Spacey schweigt sich beharrlich über sein Privatleben aus und lässt das Publikum auch über seine Filmfiguren gern im Unklaren.
Seltsame Sache: Da lungerte ein Unbekannter am Set von “Die Waffen der Frauen” herum. Ein Journalist, der auf eine heiße Story hofft, ein interessierter Fan oder gar ein Stalker, der es auf einen der Darsteller abgesehen hat?
Von wegen. Es handelte sich um den bis dahin völlig unbekannten Kevin Spacey; der im Film eine Nebenrolle hatte, aber mit seinem Part noch längst nicht an der Reihe war. Kevin wollte nur schon mal Set-Luft schnuppern: „Bei Dreharbeiten lungere ich ständig herum, ich pflege dieses Herumschlendern, weil ich für mich herausgefunden habe, dass es die richtige Methode ist, etwas über mich in dem Film zu erfahren.“
Weil keiner sein Gesicht kannte, rätselten alle, was der hier zu suchen hatte. Das amüsierte Kevin Spacey köstlich. Er hatte es wieder einmal geschafft, ein Geheimnis um seine Person zu machen. Ein Mann, der sich niemals in die Karten schauen lässt.
Sein Privatleben schottet Spacey so ab, dass ihm eine US-Zeitung andichtete, er sei schwul. Und das alles nur, weil er den Namen seiner Freundin nicht verraten wollte. “Ich will, dass niemand etwas über mein Privatleben weiß. Je weniger die Leute über mich wissen, umso mehr glauben sie mir meine Rollen. Es ist ein Zusammenspiel von Vertrauen, Ahnung und Geheimnis.“ Bei hartnäckigeni Nachfragen flüchtet sich der Star in distanzierte Ironie: „Frauen sehen es als besondere Herausforderung, mich zu knacken. Ich lasse sie es gern versuchen.“ Hauptsache nichts von sich preisgeben, und Rechtfertigungen bringen sowieso nichts.
Diese Erfahrung machte Kevin schon als Kind, als er wegen Prügeleien von mehreren Schulen flog. Auch auf der Leinwand gibt er sich undurchsichtig. Schuldig oder nicht schuldig — seine Figur des Todeskandidaten David Gale birgt ebenso viele Mysterien wie die des genialen Täuschers in “Die üblichen Verdächtigen“. Den Killer in „Sieben“ übernahm er nur unter der Bedingung. nicht im Abspann zu erscheinen. Die Mitwirkung in einem Film geheim halten? Da machen sich im ruhmsüchtigen Hollywood wohl ganz neue Sitten breit.
Ganz Hollywood nennt Spacey den .”Mystery Man“. Und der hasst die Blender in seinem Fach: “Da gibt‘s viele Zombies. Man muss sehr stark sein, um nicht unter die Räder zu kommen. Denn Hollywood schluckt Talente und spuckt sie als Wracks wieder aus.“ Kevin lässt lieber sein Charisma sprechen. Eiskalter Schurke, sympathischer Loser oder tougher Held: Auf der Leinwand verwandelt er sich wie ein Chamäleon.
Weil er als Spätzünder in Hollywood (populär wurde er erst 36-jährig mit „Die üblichen Verdächtigen“) selbst erlebte, wie hart der Einstieg ins Geschäft ist, hilft er jetzt Newcomern auf die Sprünge: Unter www.triggerstreet.com können Nachwuchsautoren und angehende Filmemacher an Workshops teilnehmen und ihre Drehbücher vorstellen. „Ich war in meiner Karriere auf die Hilfe von vielen Leuten angewiesen. Triggerstreet ist meine Idee, um den Aufzug wieder nach unten zu schicken und neue Talente nach oben zu ziehen“, sagt Kevin und hat nun endlich ein Thema gefunden, über das er bereitwillig erzählt.
|